Schüler und Social-Media-Unternehmer: So schafft ein Prignitzer mit 18 den Spagat
Perleberg. Nach Schulschluss erstmal eine Runde chillen? Für Jonas Grünberg aus Perleberg undenkbar. Wer den 18-Jährigen am Freitagnachmittag anruft, erreicht ihn im Büro und kann ihn mit etwas Glück ein paar Minuten von der Arbeit abhalten.
Jonas Grünberg leitet eine Firma, die er als 15-Jähriger mit Unterstützung seines Vaters gegründet hat – und schafft mit großer Disziplin und Leidenschaft den Spagat zwischen Abitur und Karriere. Seit einem Monat ist der Schüler sein eigener Chef: als Geschäftsführer der „Grünberg Solutions“ in Perleberg.
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Sein Tag beginnt um 4.30 Uhr. Dann geht Jonas Grünberg in sein Büro am Großen Markt. Dort arbeitet er zweieinhalb Stunden – dann geht’s zum Unterricht im Gottfried-Arnold-Gymnasium. Die große Pause verbringt der Schüler des Abiturjahrgangs wieder im Büro, wo er nach Schulschluss dann erneut anzutreffen ist. Ein Leben auf der Überholspur.
Es fing eher klein an. Bei einem Schülerpraktikum in einem Unternehmen für Landtechnik bat der Chef Jonas Grünberg und seinen Schulfreund, sich um den Social-Media-Auftritt des Betriebs zu kümmern. Viel mehr als ein Handy hatten die beiden nicht, legten aber los. Das Unternehmen, mit dem alles begann, betreuen sie noch heute.
Gründer betreut 40 Kunden in der Prignitz und ganz Deutschland
„Ich habe damals schnell erkannt, wie groß der Bedarf ist“, sagt Jonas Grünberg, der im 200-Einwohner-Dorf Baek (Groß Pankow) aufgewachsen ist. Er investierte in Ausrüstung, das Angebot sprach sich herum.
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Zur vollständigen AnsichtInternet-Auftritte und digitale Kampagnen für Unternehmen, die Fachkräfte suchen – Jonas Grünberg und sein Team betreuen inzwischen mehr als 40 Kunden in der Prignitz und ganz Deutschland. Den Umsatz, den die Firma 2022 in einem ganzen Jahr hatte, machen sie heute in einem Monat, sagt der junge Gründer.
Schulwechsel für die Karriere: Gründer ging zurück nach Perleberg
Gelungen sei ihm all das mit Zielstrebigkeit, aber auch Opferbereitschaft. Vor allem ein Einschnitt habe ihm „viele schlaflose Nächte“ bereitet, sagt der 18-Jährige.
Bis Sommer 2022 fuhr Jonas Grünberg noch täglich nach Neuruppin. Am dortigen Evangelischen Gymnasium wollte er eigentlich sein Abitur machen. Doch die insgesamt vier Stunden Fahrzeit fehlten ihm irgendwann für die Arbeit in der Firma.
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„Es hat Mut erfordert, der Schule und dem Freundeskreis den Rücken zu kehren“, sagt der 18-Jährige. „Aber ich musste diese Entscheidung treffen“. Seitdem läuft er in einer Minute von der Schule zum Büro und hat so auch die Möglichkeit, die Unterrichtspause für dienstliche Termine zu nutzen.
Bleibt da denn Zeit für Dinge, die einfach mal nichts mit Abi und Arbeit zu tun haben? „Nein“, sagt Jonas Grünberg ohne Zögern. Gewurmt habe ihn das aber nie. „Es macht eben Spaß“, sagt er. „Ich nehme es deshalb nicht als Stress wahr.“
Trotz Abi und Firma: Zeit für eine Freundin bleibt
Ausgleich und Halt findet er bei seiner Freundin, die er in Neuruppin kennenlernte, bevor es mit der Firma richtig losging. Ein Pluspunkt für die Beziehung, wie er sagt. „Sie hat den Blick von außen.“
Wenn Jonas Grünberg Mitte des Jahres seine Abiturprüfungen bestanden hat, beginnt er ein Onlinestudium. „Es ist schon alles sicher“, sagt er. Entschieden habe er sich für den Studiengang Wirtschaftsrecht an der International University of applied Science im Bad Honnef (Nordrhein-Westfalen) – total digital.
Generation Z in Perleberg: von wegen faul und unstet
Konsequent für einen aus der Generation Z, die mit Handy und Tablet aufgewachsen und in der Online-Welt zu Hause ist. Wer mit Jonas Grünberg spricht, kann kaum glauben, dass diese Generation gern auch mal als faul und unstet abgestempelt wird.
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Wenn sich der 18-Jährige selbst beschreibt, fällt ihm kaum auf, dass er mit so viel Ehrgeiz und Struktur heraussticht. „Ich war schon immer kommunikativ und offen für Neues“, sagt Jonas Grünberg. „Und ich konnte noch nie gut verlieren.“
Der Weg, den er geht, mache ihn glücklich. „Wenn man immer weiter wartet, weil man nicht den Mut hat, macht man die tollsten Dinge vielleicht nie.“
MAZ