Schweden zu stark: Deutschland verpasst Bronze und direktes Olympia-Ticket
Schlusspfiff. Andreas Wolff stapft zur Bank, schnappt sich ein Handtuch und wirft es wütend auf den Boden. Julian Köster steht, die Hände auf die Knie gestützt, auf dem Spielfeld und starrt auf den Boden. Juri Knorr sitzt regungslos auf der Bank. Deutschlands Handballer haben das Spiel um EM-Platz drei gegen Schweden mit 31:34 (12:18) verloren. Bronze verpasst, das Direktticket für Olympia auch. Knorr und Co. müssen jetzt in die Qualifikation für die Paris-Spiele. Für eines der drei Turniere (13. bis 17. März) „werden wir uns bewerben. Und das mit Hannover, der ZAG-Arena. Ich bin auch guter Dinge, dass wir den Zuschlag bekommen“, sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann dem Sportbuzzer, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).
„Wir sind stolz, dass wir das Halbfinale erreicht haben. Aber heute überwiegt die Enttäuschung“, sagte Kapitän Johannes Golla. Bundestrainer Alfred Gislason verteilte in der ARD ein „Riesenkompliment“ an seine Spieler für die Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit. Der Vertrag des Isländers läuft noch bis nach den Sommerspielen von Paris. Er habe dem Deutschen Handballbund (DHB) „schon signalisiert“, dass er „große Lust hätte“, die junge Auswahl weiterzuentwickeln. Michelmann sagte dem Sportbuzzer zur Zukunft des Coaches: „Eine Entscheidung gibt es noch nicht. Wir reden am 9. und 10. Februar darüber.“
Schweden-Keeper lässt Deutschland verzweifeln
Vor der Partie wurden Torhüter Wolff und Spielmacher Knorr ins EM-Allstar-Team gewählt. Das beflügelte Wolff kurzzeitig. Knorr, der nach dem verlorenen Halbfinale Selbstkritik geübt hatte, begann übermotiviert. Er suchte zu früh Abschlüsse. Doch nicht nur er. Renars Uscins, der von seiner Familie zurückgekehrte Kai Häfner und Julian Köster zogen eine Fahrkarte nach der anderen. Wenn sie durchkamen, gute Chancen herausspielten, dann war bei Keeper Andreas Palicka Endstation. 14 Paraden, 53 Prozent aller Würfe abgewehrt. Das, was die Pausenstatistik über den 37-Jährigen aufzeigte, reicht normalerweise für ein ganzes Spiel.
Palicka war auch immer wieder Ausgangspunkt für schwedische Tempogegenstöße. Das las sich so: 4:8 nach 13 Minuten, zwölf Minuten später minus sieben (9:16). Die Deutschen neben der Spur, die Arena nicht auf Betriebstemperatur. Der Funke wollte nicht vom Feld auf die 19 750 in der ausverkauften Halle überspringen. Der Schreck nach 17 Minuten: Beim Stand von 6:9 wurde die Partie minutenlang unterbrochen. Ein medizinischer Notfall auf dem Unterrang. Ein schwedischer Fan war kollabiert, nach einer Behandlung, unter anderem von beiden Mannschaftsärzten, wieder ansprechbar.
Hypothek der ersten Halbzeit war zu groß
Im Spiel war bei den Deutschen nun endgültig die Luft raus. Die Schweden um den Flensburger Jim Gottfridsson überrollten Knorr und Co. Bis zur Pause (12:18) summierte sich die Zahl der Fehlwürfe auf 17. Nur 41 Prozent Trefferquote – zu wenig. Mutmacher. Schweden selbst hatte im Halbfinale gegen Frankreich einen Sechs-Tore-Rückstand aufgeholt.
Mit einem besseren Knorr, einer zupackenden Abwehr und Wolff-Paraden robbten sich die Deutschen nun heran (21:24/43.). Als Christoph Steinert auf 28:30 verkürzte, zitterten die schwedischen Hände. Und nach Uscins‘ Anschlusstreffer spielte auch die Arena mit. Das Spiel drohte zu kippen. Doch Palicka, der schwedische Teufelskerl zwischen den Pfosten, hielt nach einem kurzen Luftholen auf der Bank mit den Paraden 17 bis 19 den schwedischen Vorsprung fest, war am Ende auch der Unterschiedsspieler, der „Man of The Match“. Die Deutschen haben es verpasst, aus einer guten eine sehr gute EM zu machen. Blech statt Bronze. Die Hypothek der ersten Halbzeit war zu groß. Ein Abschied von der Heim-EM mit drei Niederlagen, der wehtut.