„Mehr Gerechtigkeit. Mehr Nachhaltigkeit. Mehr Zukunft“: Noosha Aubel hat nötige Unterschriften für OB-Kandidatur zusammen
Potsdam. Seit Monaten wurde spekuliert, jetzt ist es klar: Potsdams ehemalige parteilose Beigeordnete für Bildung, Jugend, Kultur und Sport will Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt werden.
Dies teilte die 49-Jährige am Montagabend in einer E-Mail an die Fraktionen des Flensburger Kommunalparlaments mit. Am Dienstagmorgen wandte sie sich in einer Mitteilung direkt an die Potsdamer. Zuvor hatte das Flensburger Tageblatt von Aubels Ambitionen berichtet.
Noosha Aubel (49), die im Februar 2024 im schleswig-holsteinischen Flensburg zur Stadträtin für Bildung, Integration, Öffentliche Dienste und Sicherheit gewählt wurde und den Posten seit Juli 2024 innehat, hat demnach ihre Entscheidung zur Kandidatur am Montagabend den Ratsfraktionen in Flensburg schriftlich mitgeteilt.
In einer Pressemitteilung am Dienstagmorgen bestätigte sie ihre Kandidatur: „Ich werfe meinen Hut in den Ring. Ich möchte die überparteiliche Oberbürgermeisterin Potsdams werden.“ Die drei größten Baustellen sind für sie die „Verwaltung zur effizienten und effektiven Dienstleisterin zu entwickeln, Chancengerechtigkeit für unsere Kinder und Jugendlichen sowie bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“.
Unterstützt wird sie dabei von der Fraktion Die Andere. Deren Stadtverordneter Lutz Boede veröffentlichte in den sozialen Medien am Dienstagmorgen ein Foto und schrieb dazu, er habe als erster eine Unterschrift für die Zulassung Aubels zur Wahl geleistet.
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Zur vollständigen AnsichtDenn wer nicht in der Stadtverordnetenversammlung, im Landtag oder Bundestag sitzt, muss eine Kandidatur durch 112 Unterstützerunterschriften legitimieren - dies gelang Aubel auch in kurzer Zeit. Am Mittwochabend erklärte die OB-Kandidatin: „Ihr seid großartig. Mit 131 Stimmen in nicht einmal 1,5 Tagen sind die erforderlichen Unterschriften zusammengekommen. Ich bin wirklich überwältigt. Danke.“
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Zur vollständigen AnsichtDa eventuell nicht alle Unterschriften als gültig gewertet werden, rief Aubel gleichzeitig dazu auf, auch weiterhin Unterschriften abzugeben. „Mit ca. 150 Stimmen ist gewährleistet, dass alles seinen Gang gehen kann“, teilte die 49-Jährige mit.
Die Wählergruppe hatte bereits mitgeteilt, sie unterstütze die Kandidatur, „weil wir darin die Möglichkeit sehen, die dringend erforderliche Modernisierung der Stadtverwaltung voranzubringen und die Zusammenarbeit zwischen den Stadtverordneten und der Verwaltung wieder zuverlässiger und verbindlicher zu gestalten.“ Wichtige strategische Sach- und Personalentscheidungen dürften nicht „wieder in geheimen Partei- oder Koalitionsrunden ausgehandelt“, sondern sollen „auf Basis von Fakten und Argumenten in der demokratisch gewählten Stadtverordnetenversammlung getroffen werden“.
Ich werfe meinen Hut in den Ring. Ich möchte die überparteiliche Oberbürgermeisterin Potsdams werden.
Noosha Aubel
will Potsdamer Oberbürgermeisterin werden
Auch Potsdams Grüne tragen die Kandidatur mit. Am 6. Juli will der Kreisvorstand der Mitgliederversammlung vorschlagen, „die überparteiliche Kandidatur von Noosha Aubel zur Wahl der Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Potsdam zu unterstützen und ihre Wahlkampagne zu begleiten“, teilt die Partei mit.
„Noosha Aubel vereint zentrale Qualitäten, die Potsdam nach der Zäsur der OB-Abwahl dringend braucht“, erklärt Rebecca Lea Freudl, Kreisvorsitzende der Grünen Potsdam. „Sie steht für ein klares Bild einer lebenswerten, zukunftsfähigen Stadt. Sie denkt Verwaltung als gestaltende Kraft, bringt ein tiefes Verständnis kommunaler Verwaltung mit und überzeugt mit einer empathischen Haltung, die die Vielfalt der Stadtgesellschaft einzubeziehen sucht.“
Aubels Verbindung zu Potsdam bestand weiter
In Ihrer Mitteilung macht Nosha Aubel derweil ihre Ziele klar. „Meine Vision ist eine Stadt, in der alle Menschen – unabhängig von Herkunft oder Lebenslage – gleichberechtigte Chancen auf ein gutes Leben haben: auf hochwertige Bildung, bezahlbares Wohnen und umfassende gesellschaftliche Teilhabe." Ökologische Verantwortung für ein gutes Zusammenleben aller Generationen sei ihr Ziel, eine „zukunftsorientierte Wirtschaftsförderung“ soll Innovationskraft und sozialen Zusammenhalt stärken: „Mehr Gerechtigkeit. Mehr Nachhaltigkeit. Mehr Zukunft.“
Von 2017 bis 2024 lebte und arbeitete Aubel in Potsdam. Nach eigenen Angaben habe sie ihre Aufgaben als Beigeordnete damals mit großer Leidenschaft wahrgenommen. Ihren Weggang begründet sie damit, dass sie trotz ihres Engagements keine Wirkung mehr für die Stadt und ihre Menschen erzielen konnte. Die Verbindung zu Potsdam sei jedoch, auch durch ihre Familie, stets erhalten geblieben.
SPD und AfD stellen eigene Kandidaten auf
Klar ist: Die SPD will einen eigenen Kandidaten aufstellen. Momentan ist der Berliner Staatssekretär Severin Fischer im Gespräch. Die AfD schickt mit Chaled-Uwe Said einen Kandidaten ins Rennen. Alle übrigen Fraktionen – CDU, Grüne, FDP, Linke, die Andere, das Wagenknecht-nahe BfW sowie BVB/Freie Wähler – haben bislang öffentlich keine Kandidaten oder unterstützte Kandidaten benannt.
Sie steht für ein klares Bild einer lebenswerten, zukunftsfähigen Stadt.
Rebecca Lea Freudl
Kreisvorsitzende der Grünen
Der SPD-Stadtverordnete Tiemo Reimann hat in ihrer Beigeordnetenzeit eng mit Noosha Aubel zusammengearbeitet – er stand dem Jugendhilfeausschuss vor, sie war als Dezernentin auch für diesen Bereich zuständig. Er kritisiert die Kandidatin: „Wenn man in kürzester Zeit von Potsdam nach Berlin und weiter nach Flensburg wechselt, noch bevor die Arbeit wirklich begonnen wurde, erweckt den Eindruck: Es ging mehr um den nächsten Karriereschritt als um die Verantwortung für die Stadt“, so Reimann am Dienstag. „Die Menschen in Potsdam merken sehr genau, wer wirklich gestalten will – und wer sich nur kurz zeigt, solange das Rampenlicht günstig steht und sie sonst im Schatten der unerledigten Aufgaben zurücklässt.“
Aubel in Potsdam keine Unbekannte
Noosha Aubel hatte im August 2017 ihr Amt als Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport angetreten und übernahm zum 1. Januar 2019 zusätzlich noch das Jugend-Ressort der Stadt.
Zuvor war die 1975 in Hannover geborene Diplom-Pädagogin, die zudem einen Master of Organizational Management absolviert hat, Amtsleiterin in Hilden.
In Potsdam hatte sie als Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport Verantwortung für etwa 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Oktober 2022 kündigte sie an, ihre Aufgabe als Beigeordnete Ende Februar 2023 zu beenden. Kolportiert wurde damals, dass das spannungsreiche Verhältnis zu Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) mit ausschlaggebend für diese Entscheidung gewesen sei.
Anschließend übernahm Noosha Aubel eine geschäftsführende Position in einer gemeinnützigen Unternehmerstiftung in Berlin, ehe sie als Stadträtin nach Flensburg wechselte. Dort sei ihre Kandidatur auf „großes Bedauern und viel Verständnis“ gestoßen, sagte Aubel der MAZ am Dienstag. „Über Fraktionsgrenzen hinweg wünscht man mir persönlich Erfolg und gleichzeitig hofft man auf mein Scheitern, damit ich vor Ort bleibe.“
Potsdams Oberbürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg:
Walter Paul, KPD/SED, 1945 bis 1950
Kurt Promnitz, SED, 1951 bis 1957
Wilhelm Rescher, SED, 1957 bis 1961
Brunhilde Hanke, SED, 1961 bis 1984
Wilfried Seidel, SED, 1984 bis 1989
Manfred Bille, SED, 1989/1990
Horst Gramlich, SPD, 1990 bis 1998
Matthias Platzeck, SPD, 1998 bis 2002
Jann Jakobs, SPD, 2002 bis 2018
Mike Schubert, SPD, 2018 bis 2025
Jetzt muss die Verwaltungsfrau in den Wahlkampfmodus schalten. Sie will häufiger in Potsdam sein, je näher der Wahltermin rückt, aber zugleich ihr Amt in Flensburg ausfüllen. „Die Präsenz in Potsdam werde ich primär über Urlaubstage und Abbau von Mehrarbeitsstunden organisieren. Mein Amt in Flensburg lasse ich nicht ruhen. Ich bin hier in Verantwortung und dieser möchte ich auch gerecht werden.“
Ob sie im Fall einer Nicht-Wahl weiterhin in Flensburg als Stadträtin arbeiten will? „Selbstverständlich.“
MAZ